Band 1 der Serie POLSKI.BEITRÄGE zur Geschichte und Gegenwart der polnischen Sprache im deutschsprachigen Raum ist da! Die Bände 2 und 3 folgen 2026

Was ist eine Herkunftssprache? Welche Kommunikationsstrategien entwickeln zweisprachige Personen? Warum sind Normabweichungen bei Herkunftssprechenden nicht unbedingt als Fehler, sondern eher als strategischer Sprachgebrauch anzusehen? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich Anna Żurek. Die zweite Generation polnischer Migrantinnen und Migranten findet kreative Wege, um Schwierigkeiten beim Ausdruck ihrer Absichten auf Polnisch zu umgehen und zum Beispiel lexikalische Lücken zu schließen. Die Autorin bietet einen kritischen Überblick über den bisherigen Forschungsstand unter besonderer Berücksichtigung der polnischen Fachliteratur und bringt einen eigenen Vorschlag zur Systematisierung ein.

Prof. Dr. habil. Anna Żurek leitet die Schule für polnische Sprache und Kultur für Ausländer an der Universität Wrocław (Szkoła Języka Polskiego i Kultury dla Cudzoziemców, Uniwersytet Wrocławski). Sie ist Sprachwissenschaftlerin, Glottodidaktikerin, Sprachtherapeutin und Prüferin für Polnisch als Fremdsprache. Ihre Forschungsinteressen umfassen u. a. die Theorie des Spracherwerbs, die Zwei- und Mehr­sprachigkeit, Sprachetikette und interkulturelle Kommunikation.

Die Reihe POLSKI.BEITRÄGE des Kompetenz- und Koordinationszentrums Polnisch (KoKoPol) ist zunächst auf drei Bände angelegt. Im Mittelpunkt steht dabei Polnisch als Herkunftssprache. Die Erforschung der Geschichte und der aktuellen Situation des Polnischen im deutschsprachigen Raum stellt einen wesentlichen, bisher jedoch wenig erforschten Aspekt des deutsch-polnischen Dialogs dar.

Hintergrund

Mit der Serie Polski.Beiträge unterstützt das Kompetenz- und Koordinationszentrum Polnisch (KoKoPol) bei der Stiftung Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal die Wahrnehmung und die wissenschaftliche Erforschung der polnischen Sprache in Deutschland. Seit Jahrzehnten bemühen sich zahlreiche engagierte Vertreter/-innen der Zivilgesellschaft und Politik in Deutschland und Polen um die deutsch-polnische Verständigung, sie stehen im Dialog und gestalten gemeinsam einen deutsch-polnischen Diskurs. Obwohl die Sprache die Basis dieses Austausches darstellt und ungeachtet des jahrhundertelangen Sprachkontakts (vgl. Wissenschaftlicher POLONUS 4, 2025), ist der Stellenwert der Sprachen Polnisch und Deutsch im jeweiligen Nachbarland selten Gegenstand einer über die philologischen Fachgrenzen hinausreichenden Betrachtung. Wenig Beachtung findet insbesondere die Tatsache, dass in Deutschland etwa 2 Millionen Menschen mit biographischen Verbindungen zu Polen leben, wovon etwa die Hälfte zu Hause Polnisch spricht. Diese Zahl umfasst 220.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, darunter mehr als 160.000 Kinder und Jugendliche, die zu Hause vor allem Polnisch verwenden, jedoch selten die Gelegenheit haben bzw. nutzen, ihr Polnisch im Schulunterricht zu pflegen bzw. es als Bildungssprache zu entwickeln (Zahlen: Ramona T. Plitt nach: Statistisches Bundesamt 2024, KMK 2020).

Die drei Bände der Reihe Polski.Beiträge stellen die gesellschaftliche Gruppe der deutsch-polnisch Zweisprachigen aus sprachwissenschaftlicher Sicht in den Mittelpunkt. Insbesondere geht es um die Zweite Generation, d.h. zweisprachige Personen, die in früher Kindheit nach Deutschland kamen oder hier geboren wurden. In Band 1 wird nach ihrem Kommunikationsverhalten im Polnischen gefragt und danach, wie sie auftretende Schwierigkeiten ─ etwa im lexikalischen System des Polnischen ─ kompensieren. Band 2 (in Vorbereitung) bietet einen Einblick in die Methoden zweisprachiger Erziehung bzw. ihre förderlichen und hemmenden Faktoren. Auch hier steht die Zweite Generation im Mittelpunkt, diesmal als Eltern (Natalie Kosch: Sprache(n) leben ─ Sprache(n) weitergeben. Eine Längsschnittstudie zur bilingualen Elternschaft und zur sprachlichen Sozialisation von Kindern in polnisch-deutschsprachigen Familien). Band 3 (in Vorbereitung) präsentiert die Ergebnisse von aktuellen Studien zu Einstellungen und zum Bedarf an herkunftssprachlichem Polnischunterricht und verortet sie in einem breiten Kontext der Geschichte und Gegenwart des Polnischen in Deutschland sowie der institutionellen Rahmenbedingungen des Polnischunterrichts (Tanja Anstatt, Bernhard Brehmer, Stefan Heck, Ramona T. Plitt (Hgg.): Polnisch als Herkunftssprache in Deutschland: Einstellungen, Akteure, Perspektiven).

Mit der Buchreihe Polski.Beiträge hofft KoKoPol weitere Forschungen zu Polnisch in Deutschland anzuregen. Wir freuen uns über Buchbesprechungen und weitere Themenvorschläge.

Bestellung

Die Publikation Kommunikationsstrategien zweisprachiger Personen am Beispiel der Herkunftssprache Polnisch in Deutschland von Anna Żurek ist in der Reihe POLSKI.BEITRÄGE zur Geschichte und Gegenwart der polnischen Sprache im deutschsprachigen Raum im Frank & Timme Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-7329-1097-7, erschienen und dort oder im Buchhandel erhältlich.

LINK: https://www.frank-timme.de/de/programm/produkt/kommunikationsstrategien_zweisprachiger_personen