Am 26. und 27. März 2026 organisierte das Kompetenz- und Koordinationszentrum Polnisch (KoKoPol) ein Expertenforum zum Thema Didaktik des außerschulischen Polnischunterrichts in Deutschland. Die Veranstaltung diente als Plattform für den Erfahrungsaustausch und verband fachliche Vorträge mit interaktiven Workshops und Diskussionen über aktuelle Trends und Herausforderungen im Bereich der Herkunftssprache Polnisch. Die während des Forums erarbeiteten Ergebnisse sollen als Impuls für eine langfristige Strategie zur Professionalisierung des Polnischunterrichts in Deutschland dienen. Die Veranstaltung versammelte ein breites Publikum an Fachleuten: Lehrerinnen und Lehrer, die in staatlichen, in außerschulischen Einrichtungen und im polnischen Schulwesen tätig sind sowie Vertreterinnen und Vertreter wichtiger Lehrerverbände, darunter der Verband der Polnischlehrer und Pädagogen in Deutschland und der Bundesvereinigung der Polnischlehrkräfte. Gemeinsam mit Expert/-innen des Instituts für die Entwicklung der polnischen Sprache (IRJP) sowie Vertreter/-innen von Partnerorganisationen wurden die Möglichkeiten und Besonderheiten der Umsetzung der aus dem Rahmenprogramm resultierenden Leitlinien für Deutschland analysiert.
Das Fachforum wurde feierlich von Gregor Schaaf-Schuchardt, dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung IBZ St. Marienthal, der Trägerorganisation von KoKoPol, eröffnet, der in seiner Rede die dynamische Entwicklung des Polnischunterrichts in Deutschland sowie die entscheidende Rolle des Austausches und der gegenseitigen Unterstützung der Bildungskreise hervorhob. Ein wichtiges Zeichen für die intensivierte Zusammenarbeit war die feierliche Unterzeichnung der Verlängerung der Kooperationsvereinbarung zwischen KoKoPol und dem IRJP, vertreten durch Izabela Siekierska-Rosiak, die eine Fortsetzung der gemeinsamen Aktivitäten zur Förderung der polnischen Sprache ermöglicht.
Den inhaltlichen Einstieg in das Forum gab Dr. Anna Mróz (KoKoPol) mit ihrem Vortrag „Polnisch – Muttersprache, Herkunftssprache, Erstsprache oder Herkunftssprache? Ausgewählte Beispiele zu rechtlichen Regelungen und pädagogischen Praktiken in Deutschland“. Bei dem Vortrag kam eine zentrale These zum Ausdruck: Die polnische Sprache hat die Chance, für die jungen Generationen zu einer Sprache der persönlichen Wahl zu werden. Dieser Prozess wird nicht nur durch eine emotionale Bindung an die Kultur bedingt, sondern auch durch ein positives Bild von Polen und die Pflege lebendiger Beziehungen zum Land. Besondere Aufmerksamkeit lag auf der Analyse der formal-rechtlichen Lösungen, die sich in jedem Bundesland unterscheiden. Gerade die Symbiose von stabilen rechtlichen Rahmenbedingungen und pädagogischer Praxis ermöglicht es, die Herkunftssprache als ein bewusst gepflegtes, alltägliches Kommunikationstool zu nutzen.
Gemäß den Vorgaben des Rahmenlehrplans (2025) kann die polnische Sprache für die Schüler maßgeblich zur eigenen Identitätsbildung beitragen. Diesem Thema war der erste Themenblock gewidmet, der von Prof. Przemysław Gębal vom Institut für die Entwicklung der polnischen Sprache (IRJP) geleitet wurde. Der Vortrag in diesem Teil der Veranstaltung konzentrierte sich auf die praktische Umsetzung des Rahmenlehrplans für den Unterricht in der polnischen Herkunftssprache, der im Wesentlichen darauf abzielt, Lehrkräfte bei der Förderung der sprachlichen und kulturellen Identität von Schülern in Deutschland zu unterstützen. Dank des umfassenden Ansatzes erhielten die Teilnehmer/-innen des Forums nicht nur Einblick in die theoretischen Grundlagen des Lehrplans, sondern auch in konkrete Instrumente, z.B. auf Grundlage des Rahmencurriculums erarbeitetes Lehrmaterial, sowie Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte, die das Institut anbietet.
Im Anschluss an den ersten Programmteil hatten die Teilnehmer/-innen während der Pause die Gelegenheit, sich bei Julian Schorr und Luise Träger (beide KoKoPol) über die Möglichkeiten der Förderung im Programm „Polnisch als Herkunftssprache“ beraten zu lassen.
Einen weiteren Programmpunkt stellten die Workshops dar, zu denen die Teilnehmer/-innen entsprechend ihres beruflichen sowie Unterrichtsprofils (Polnisch als Muttersprache oder Fremdsprache) in zwei Arbeitsgruppen geteilt wurden. Die Diskussionen konzentrierten sich auf die Leitfrage: „Wie sieht es bei uns aus und wie in dem Rahmenprogramm des IRJP?“. Die Moderation der einzelnen Gruppen übernahmen Prof. Przemysław Gębal (IRJP) sowie die Expertinnen für die Rahmenprogramme, Dr. habil. Adrianna Seniów und Dr. Nina Pielacińska (beide Universität Szczecin). Die Workshops ermöglichten eine kritische Analyse der aktuellen Situation in Bildungseinrichtungen und im außerschulischen Polnischunterricht in Deutschland sowie deren Gegenüberstellung mit den neuen Lehrplanrichtlinien. Die Teilnehmer/-innen hatten Gelegenheit, über Lösungen nachzudenken, das Rahmencurriculum des IRJP wirkungsvoll in ihre tägliche Unterrichtspraxis einzubinden sowie die Vorgaben mit ihren eigenen Bedürfnissen und den spezifischen Bedürfnissen der Schüler abzugleichen.
Die erarbeiteten Schlussfolgerungen aus den Workshops wurden abschließend vor dem versammelten Publikum des Forums von einzelnen Teilnehmer/-innen präsentiert. Neben den analysierten Möglichkeiten der Adaption der IRJP-Leitlinien im deutschen Bildungssystem, wurde auch betont, dass – um eine Brücke zwischen den allgemeinen programmatischen Vorgaben und den Arbeitsrealitäten der Lehrkräfte in Deutschland zu schlagen – die regionalen rechtlichen und organisatorischen Gegebenheiten berücksichtigt werden müssten, die sich aus den Besonderheiten des deutschen Schulsystems im Hinblick auf die föderale Struktur Deutschlands ergeben.
Der erste Veranstaltungstag endete mit einem Abend im Zeichen der Literatur. Dr. Brygida Helbig und ihre Tochter Justina Mischewski lasen aus ihrem Buch „Im Namen der Mutter und Tochter“. In Form eines literarischen und einfühlsamen Dialogs versuchten die Autorinnen, die komplexe Beziehung zwischen Mutter und Tochter zu ergründen und präsentierten eine ergreifende Geschichte über die Verflechtung von Migrations-, persönlichen und kulturellen Themen. Die Erzählung, voller Zärtlichkeit, Humor und dem Mut, feinfühlig zu sein, war ein lebendiger Beweis dafür, wie Sprache die Identität nachfolgender Generationen prägt.
Den zweiten Tag der Tagung eröffnete Dr. Magdalena Zapotoczna (KoKoPol) mit einer interaktiven Umfrage, die darauf abzielte, primäre Bedarfe an Weiterbildungsthemen angelehnt an das Rahmencurriculum zu identifizieren und den Wirkungsbereich der Pädagogen zu ermitteln. Anschließend stellte Dr. Zapotoczna das im Aufbau befindliche Bildungsportal „Język polski odziedziczony / Herkunftssprache Polnisch“ vor, das als Instrument zur Förderung des Polnischlernens und der Verbreitung der polnischen Sprache in Deutschland dienen soll. Diese partizipative Informations- und Bildungsplattform mit integriertem Materialpool richtet sich an Lehrkräfte, Eltern zwei- und mehrsprachiger Kinder sowie an Poloniaorganisationen in Deutschland.

Der nächste Teil des Treffens war den Standards zur Bewertung von Sprachkompetenzen gewidmet. Marcin Jura (KoKoPol/Universität Wrocław) und Dr. Magdalena Igiel (TELC GmbH) stellten die aktuellen Zertifizierungsmöglichkeiten in Deutschland vor. Diese Präsentation leitete eine Diskussion über die Standardisierung von Anforderungen ein sowie über die Rolle, die ein Sprachzertifikat bei der Motivation von Schülerinnen und Schülern spielt, ihre Ausbildung auf höheren Bildungsstufen fortzusetzen.
Den Abschluss des Forums bildete ein Workshop-Block, der unter Anwendung der Design-Thinking-Methode durchgeführt wurde. Diese Arbeitsform ermöglichte einen dynamischen Austausch von Erfahrungen und Gedanken, bei dem die Teilnehmer/-innen pro Workshop 30 Minuten Zeit hatten, um einen konkreten Beitrag zu jedem der vier diskutierten Themenbereiche zu leisten, diese waren:
- Gruppe I: Entwicklung digitaler und didaktischer Ressourcen (Moderation: Dr. Magdalena Zapotoczna) – Erarbeitung von Leitlinien für den weiteren Ausbau des Bildungsportals und die Optimierung von Hilfsmaterialien für Lehrkräfte.
- Gruppe II: Professionalisierung des Lehrpersonals (Moderation: Dr. Magdalena Telus) – Ermittlung des Bedarfs an einem modernen Fortbildungsprogramm für Polnischlehrkräfte im außerschulisch Bereich in Deutschland.
- Gruppe III: Best Practices (Moderation: Luise Träger) – Ermittlung vorrangiger Themen für künftige Veranstaltungen zum Erfahrungsaustausch und zu bewährten methodischen Lösungen.
- Gruppe IV: Die Rolle der Zertifizierung im didaktischen Prozess (Moderation: Marcin Jura) – Analyse der Stellung von Zertifikatsprüfungen (Certyfikat Polski, TELC) im Rahmen des außerschulischen Unterrichts sowie ihres Einflusses auf die Motivation der Lernenden.
Die erarbeiteten Ergebnisse und formulierten Empfehlungen bilden eine wertvolle Grundlage für die weitere Arbeit von KoKoPol im Hinblick auf die Konsolidierung des Polnischunterrichts in der Bundesrepublik Deutschland.
Die Organisatoren bedanken sich herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihre aktive Mitwirkung, die gegenseitige Motivation und die Bereitschaft, ihr Wissen zu teilen. Der in den Arbeitsforen gewonnene Input findet noch im Jahr 2026 Eingang in die Entwicklung von speziellen Angeboten für Polnisch-Lehrkräfte: die Weiterbildungsreihe “Polski jest fajny”, die Weiterentwicklung und Bereitstellung von Lehrmaterialien auf der Plattform www.herkunftssprache-polnisch.de und Austauschformaten, wie den KoKoPol Best-Practice-Veranstaltungen.
Die nächste Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch, zum Knüpfen neuer Kontakte sowie zur Information über Themen rund um den herkunftssprachlichen Unterricht (HSU) Polnisch bietet unser Treffen aus der Reihe Best Practices. Die Veranstaltung findet am 5. und 6. September 2026 in Darmstadt statt. Wir laden alle interessierten Lehrkräfte herzlich ein, dieses Angebot wahrzunehmen, gemeinsam ihr Wissen zu vertiefen und den Austausch innerhalb der pädagogischen Gemeinschaft zu fördern (Link zur Veranstaltung).
Diese Maßnahme wurde finanziert mit Mitteln des Auswärtigen Amts.
Weitere Informationen zur Veranstaltung:

Fotos: M. Flakiewicz | C. Stupka | A. Wójcik | M. Zapotoczna

















