Im Fokus der neuen Ausgabe der Zeitschrift für die polnische Sprache und den europäischen Dialog POLONUS steht das 35-jährige Jubiläum des sogenannten Nachbarschaftsvertrages zwischen Deutschland und Polen. Die Feierlichkeiten rund um diesen Jahrestag geben Anlass, die Entwicklung, den Stand und die Perspektiven der bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu beleuchten und zur Diskussion zu stellen. Gleichzeitig hoffen wir, damit Anregungen für die weitere Gestaltung der Beziehungen auf allen Ebenen zu geben.

In dieser Ankündigung werfen wir einen Blick auf einige Highlights dieser Ausgabe.

Zeitzeugingespräch mit der Übersetzerin Dagmar Domke

Vor 35 Jahren stand Dagmar Domke als Dolmetscherin hinter Helmut Kohl, als der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag unterzeichnet wurde – und wurde damit zur stillen Zeugin eines historischen Moments. Im Gespräch mit Joanna Maria Stolarek erzählt sie von Verhandlungen, schwierigen Begriffen, politischen Umbrüchen und davon, warum Verständigung weit mehr ist als reine Übersetzung. Das Interview eröffnet einen persönlichen Blick hinter die Kulissen der Diplomatie und erinnert daran, wie wichtig es bleibt, auch bei Meinungsverschiedenheiten miteinander im Gespräch zu bleiben.

Politische Kolumne: Ein nicht idealer, aber realistischer Vertrag

Krzysztof Ruchniewicz blickt 35 Jahre nach der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags auf dessen bleibende Bedeutung, aber auch auf seine Grenzen. Der Text zeigt, wo der Vertrag stabile Strukturen geschaffen hat – etwa im Jugendaustausch und in der zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit – und wo bis heute offene Fragen bestehen, etwa bei Minderheitenrechten, Kulturgütern oder neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen. Er lädt dazu ein, den Vertrag nicht als abgeschlossenes Kapitel zu betrachten, sondern als Fundament, auf dem Deutschland und Polen neue Formen der Partnerschaft entwickeln können.

Geschichte des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW)

Seit 35 Jahren bringt das Deutsch-Polnische Jugendwerk junge Menschen aus Deutschland und Polen zusammen – oft beginnt Verständigung dabei ganz spielerisch mit einfachen Fragen wie „Jak się masz?“ oder „Wie geht es dir?“. Der Text zeigt, wie aus Begegnungen Freundschaften, Vertrauen und ein neues Bild vom Nachbarland entstehen können – von Schulpartnerschaften über Geschichtsprojekte. Zugleich macht er deutlich, warum Jugendaustausch heute wichtiger denn je ist: als Brücke zwischen Sprachen, Kulturen und Generationen und als Beitrag zu demokratischer Resilienz in Europa.

Wir Töchter – Neuer Roman von Oliwia Hälterlein

Oliwia Hälterleins Debütroman „Wir Töchter“ erzählt von drei Frauen einer Familie, von bäuerlicher Herkunft, Migration, Mehrsprachigkeit und der Frage, was zwischen den Generationen weitergegeben wird. Im Zentrum steht Waleria, die im wiedervereinigten Deutschland aufwächst, ihre polnische Muttersprache verliert und sich als Erwachsene damit auseinandersetzen muss, die letzte Tochter ihrer Familie zu sein. Der Text macht neugierig auf einen Roman, der persönliche Familiengeschichte mit großen Themen wie Herkunft, Sprache, weiblicher Selbstbestimmung und Erinnerung verbindet. 

Viel Spaß beim Lesen!